Die gute Nachricht: Wenn Sie Olen Steinhauers grandiose “Touristen”-Trilogie nicht gelesen haben, können Sie trotzdem den letzten Band “Die Spinne” lesen, ohne dumm dazustehen. Die schlechte Nachricht: Sie haben zwei brillante Romane versäumt.

Der Erbe von Ross Thomas und John Le Carré: Olen Steinhauer
Jetzt der Reihe nach: Milo Weaver ist einer der letzten Überlebenden der mystischen CIA-Subsektion der “Touristen” – einer Agentenorganisation, die man im PC-Spiele-Klassiker ”Secret of Monkey Island” wohl als “Männer ohne Moral” bezeichnet hätte. Die Touristen waren für jeden mörderischen Auftrag zu haben, und sie hinterfragten keinen dieser Aufträge. Bis, ja bis … eine Operation in Afrika aus dem Ruder lief und ein chinesischer Geheimdienstchef als Vergeltung auf elegante, wenngleich etwas blutrünstige Art die Sektion liquidierte (wie, wird hier natürlich nicht verraten).
Milo Weaver wollte schon seit längerer Zeit aussteigen. Merke: Ein Ehemann und Vater ist ein schlechter Tourist! Aber immer naht das Böse, das Perfide gar, oder schlicht eine amerikanische Bundesbehörde (was sowohl Punkt a wie auch Punkt b umfasst), und aus ist’s mit dem schönen Frieden. Als er auch in diesem Band wider Willen in ein Spiel aus Entführung, Mord, Spionage, Vergeltung und Doppeltricks hineingezogen wird, tut er alles, um sich, aber in erster Linie seine Familie, zu schützen.
Olen Steinhauer, den man mit Fug und Recht als den legitimen Erben von Ross Thomas und John le Carré bezeichnen kann, hat wieder ein turbulentes und vertracktes Meisterwerk des Thriller-Genres geschaffen.
Olen Steinhauer | Die Spinne | aus dem Amerikanischen von Friedrich Mader | Heyne | 496 Seiten | 17,50 EUR