Michael Robotham hat der Leserschaft zwei bemerkenswerte Charaktere beschert: den Psychologen Joe O’Loughlin, der seinen trockenen Humor dringend benötigt, um den Kampf mit “Mr. Parkinson” (der sich immer weiter verschlimmernden Schüttelkrankheit) besser durchstehen zu können; und den mittlerweile pensionierten Detective Inspector Vincent Ruiz, der über zwanzig Jahre seines Lebens hindurch seinen ganz persönlichen “Dr. Moriarty” jagt.
Wann verlor das Riesenrad seine Waggons?
Axel N. Halbhuber präsentiert: “Wann verlor das Riesenrad seine Waggons? & 101 andere Fragen zu Wien”
Auch wenn Sie’e nicht wissen – Sie sind auch schon durch einen der “Wiener Geheimgänge” gewandelt, die Axel N. Halbhuber, neben 101 anderen Mysterien der Bundeshauptstadt, für alle Interessierten entschleiert hat. Die im Titel gestellte Frage ist übrigens ein wunderschönes Beispiel dafür, wie man hierorts Sparpolitik versüßt kredenzt bekommt.
Eine Frage können Sie dem Autor übrigens auch stellen: Wie kommt das N. zwischen den Axel und den Halbhuber?
“Wann verlor das Riesenrad seine Waggons?” | Axel N. Halbhuber | Metroverlag, 208 Seiten, Geb. mit Schutzumschlag u. Lesebändchen | € 19,90
Das war: “Leben” mit Marlen Schachinger
Am 14. Mai 2013 las Marlen Schachinger bei uns aus ihrem neuen Buch “Leben”.
Das Buch
Während einer Wanderung stolpert Lea (Mitte 30) regelrecht über eine ältere Frau namens Marie (84 Jahre), die sich bei einem Sturz verletzte. Nach und nach entwickelt sich zwischen den scheinbar ungleichen Frauen eine Freundschaft, Lea staunt über Maries Lebenswillen und -freude, ist angezogen und zugleich irritiert von Maries Abenteuerlust, denn Lea, Migrantin aus Sarajevo, die über Berlin nach Wien kam, ist ein Mensch, der stets dazu tendiert, auf Nummer sicher zu gehen, eine ausgemachte Pessimistin obendrein, die neben ihrer eigenen Lebensgeschichte auch noch jene ihrer Eltern und Großeltern mit sich herum schleppt.
Lea ist von Beruf Dokumentarfilmerin und zwar eine der selbst das Drehen eines Films über das Liebesleben der Purpurschnecken zur Obsession werden könne, wie ihre Freundin Carla meint; kein Wunder, dass (nicht nur) Leas aktuelles Arbeitsprojekt zur NS-Zeit an ihrer mangelnden Distanz zum Thema zu scheitern droht.
Ein Roman über das Beschweigen österreichischer Vergangenheit, über Lebensangst, das Altern und über die Kraft der Freundschaft, unabhängig von Generationsgrenzen.
Die Autorin
Marlen Schachinger wurde 1970 in Oberösterreich geboren, studierte Komparatistik, Germanistik und Französisch in Wien. Seit 1999 ist sie als freiberufliche Autorin sowie als Lehrende in der Erwachsenenbildungim Bereich Literarisches Schreiben und Literaturwissenschaft tätig.
- Marlen Schachinger
- Corpus Delicti
- Ein sensationelles Foto. ;)
Das war: Djihad für Lila
H. A. Ider präsentierte bei uns sein Buch “Djihad für Lila”…
…und das teilweise sogar verschleiert!
Vor den Augen der Öffentlichkeit wird Kamil von Neonazis brutal zusammengeschlagen. Enttäuscht zieht sich der Sohn türkischer Gastarbeiter zurück und führt einen Krieg gegen die Dämonen, die ihn heimsuchen – seine Vergangenheit, seine Identität, seine Unsicherheit.
Zur gleichen Zeit taucht Malik in der muslimischen Gemeinde auf. Die aggressiven Botschaften der Nationalisten im Wiener Wahlkampf radikalisieren ihn. Nach einer ereignisreichen Nacht, in der er alles verliert, worauf er sein Leben aufgebaut hat – seinen Job, seinen Bezug zur Gemeinschaft und seine große Liebe Lila –, beschließt er sich zu rächen.
Kamil und Malik haben nur noch einen Wunsch: Sie fahren nach Ägypten, um dort den Bau von Bomben zu erlernen und dann die Säulen ihrer Welt zu erschüttern …
“Djihad für Lila” | Proverbis-Verlag | 232 Seiten, Hardcover| Preis: 22,90 €
- Verschleierungstaktik?
- Der Autor und der Verleger.
- Entspannte Atmosphäre…
Das war: Ping-Pong-Poetry im Literaturbuffet

Mieze Medusa und Markus Köhle waren mit “PING PONG POETRY” bei uns zu Gast!
Slam Poetry ist der Minnesang von heute. Slam Poetry ist zeitgemäße literarische Unterhaltung auf bestem Niveau. Und genau deshalb durfte sie bei uns auch nicht fehlen.
Mieze Medusa und Markus Köhle sind das Dreamteam der österreichischen Bühnenpoesie und haben bei uns ihr neues Buch “Ping Pong Poetry” vorgestellt, dem dritten (abendfüllenden) Slamporgramm des Autorenpaars. Da Ping Pong Poetry übrigens nicht nur gelesen, sondern auch gehört werden will, ist dem Buch eine Audio-CD beigelegt!
Unserem Publikum hat’s gefallen!
- Das Dream-Team der Slam-Poetry im Literaturbuffet.
- Den Gästen hat’s gefallen (hier beim Signieren: Markus Köhle)
Mit Sam Millar durch die dunklen Straßen von Belfast
Sam Millars Leben könnte selbst einem Hardboiled-Krimi entstammen: 1955 in Belfast geboren, Enkel eines protestantischen “Orangeman”, nahm sein Leben eine schicksalshafte Wendung, als ihn sein Bruder nach Derry mitnahm. Das Datum weiß Millar heute noch – es war der 30. Jänner 1972. Ein Tag, der mit Blut in das Buch der irischen Geschichte eingeschrieben ist – “Bloody Sunday”.
Das Massaker an den nationalistischen Demonstranten durch die britische Besatzungsarmee radikalisierte Sam – er trat als Freiwilliger (“Volunteer”) in die IRA ein und beteiligte sich an bewaffneten Aktionen. 1973 wurde er verhaftet und durch eines der eigens für Nordirland geschaffenen “Diplock-Gerichte”, das die Rechte der Angeklagten weitgehend aufhob, zu drei Jahren Haft verurteilt. Nach seiner Freilassung führte er den Untergrundkampf weiter, wurde nach einer Schießerei mit der Polizei neuerlich zu 10 Jahren Haft verurteilt, beteiligte sich am “blanket-protest” in Long Kesh, gehörte zu dem Trupp republikanischer Gefangener, die 1983 den Massenausburch von 38 Mithäftlingen deckte. Nach seiner Freilassung ging er nach New York.
Vernetztes Grauen
Claus Cornelius Fischer hat mit “Nukleus” einen – ja, was eigentlich: Wissenschaftskrimi? SciFi-Krimi? Fantasy-Krimi? geschrieben.
Alle Kategorisierungen gehen daneben, wenn wir den neuen Roman um die Berliner Notärztin Ella Bach charakterisieren sollen. Eines kann man jedenfalls mit Fug und Recht sagen: Stephen King winkt freundlich aus der Ferne, wenn sich die dämonische Geschichte um Manipuation, Amok und schiere Verzweiflung vor den Leserinnen und Lesern entrollt,
Action gibt’s mehr als genug – vom Selbstmordanschlag auf die Berliner U-Bahn bis zur wilden Verfolgungsjagd durch London; kontroversielle Themen sind auch in Mengen vorhanden: kriminelle libanesische Clans im Dschungel der Berliner Unterwelt (und ein Polizist, der Sarrazin noch zu liberal findet); soziale Netzwerke und ihre Auswirkungen auf die unkritischen User; häusliche Gewalt; ärztliche Arroganz…
Ein bisschen viel des Guten? Darüber nachdenken lohnt sich nicht, denn wenn man einmal mit “Nukleus” begonnen hat, wird man in den Sog der Geschichte hineingezogen. Ja, was wäre wirklich, wenn über ein soziales Netzwerk kaputte Typen aufgespürt, noch kaputter gemacht und letztlich zu Amokläufern umprogrammiert würden? Ist das jetzt Science Fiction? Oder doch schon mehr Wissenschaftskrimi?
Wer einen harten, rasanten und sicher nicht dummen Krimi sucht, ist mit “Nukleus” bestens bedient. Eine einzige Bitte an den Autor: Es muss ja nicht gleich letal enden, aber Ella Bach sollte nach all den Schlägereien, Mordanschlägen und Explosionen, in die sie verwickelt ist, vielleicht doch ein bisschen mehr bandagiert werden müssen als in diesem Roman
.
Die vielschichtigen Killer des Herrn Coben
Nie werden wir vermutlich erfahren, warum die Randomhouse-Gruppe einen Krimi mal bei Heyne, dann bei Goldmann, bei Blessing oder sonstwo im Konzern durch die Druckmaschinen jagt. Bei Harlan Cobens neuem Roman “Wer einmal lügt” war die Wahl treffend. Page & Turner ist das Label am Buch, und ein pageturner ist das Buch!
Wie immer darf man als Rezensent nicht zuviel verraten, wenn Coben so richtig loslegt. Im Prinzip führt er uns in eine Welt mehr oder minder kaputter Typen beiderlei Geschlechts, die alle ihre Leichen im Keller haben: Die Ex-Stripperin, die sich eine biedere Hausfrauenwelt auf der Verleugnung ihrer Vergangenheit aufgebaut hat; der Fotojournalist, der einmal im falschen Moment am falschen Ort war; der Cop, der manches viel zu persönlich nimmt; der Anwalt, der durch den Sumpf watet und trotzdem rein bleiben will.
Eine Reihe von Morden wirbelt die Personen und ihre Welten durcheinander – souverän und mit einer erstaunlichen Moral löst Coben schießlich den Knoten.
Harlan Coben | Wer einmal lügt | aus dem Amerikanischen von Gunnar Kwisinski | Page & Turner | | 448 Seiten | EUR 15,50
Aufstieg und Fall der deutschen Atomwirtschaft
Ein Historiker, besser gesagt: ein Umwelthistoriker – Joachim Radkau – und ein Physiker – Lothar Hahn – haben sich zusammengetan und ein Buch geschrieben, dessen Titel trocken klingt, das sich aber über weite Strecken extrem spannend liest. Denn es geht auch um Wissenschaft, aber erst recht um viel Geld, um politische Manipulation, Konzerninteressen und eine durch viel Geld gezügelte Medienwelt.
Der Tourist kommt zurück
Die gute Nachricht: Wenn Sie Olen Steinhauers grandiose “Touristen”-Trilogie nicht gelesen haben, können Sie trotzdem den letzten Band “Die Spinne” lesen, ohne dumm dazustehen. Die schlechte Nachricht: Sie haben zwei brillante Romane versäumt.
Jetzt der Reihe nach: Milo Weaver ist einer der letzten Überlebenden der mystischen CIA-Subsektion der “Touristen” – einer Agentenorganisation, die man im PC-Spiele-Klassiker ”Secret of Monkey Island” wohl als “Männer ohne Moral” bezeichnet hätte. Die Touristen waren für jeden mörderischen Auftrag zu haben, und sie hinterfragten keinen dieser Aufträge. Bis, ja bis … eine Operation in Afrika aus dem Ruder lief und ein chinesischer Geheimdienstchef als Vergeltung auf elegante, wenngleich etwas blutrünstige Art die Sektion liquidierte (wie, wird hier natürlich nicht verraten).
Milo Weaver wollte schon seit längerer Zeit aussteigen. Merke: Ein Ehemann und Vater ist ein schlechter Tourist! Aber immer naht das Böse, das Perfide gar, oder schlicht eine amerikanische Bundesbehörde (was sowohl Punkt a wie auch Punkt b umfasst), und aus ist’s mit dem schönen Frieden. Als er auch in diesem Band wider Willen in ein Spiel aus Entführung, Mord, Spionage, Vergeltung und Doppeltricks hineingezogen wird, tut er alles, um sich, aber in erster Linie seine Familie, zu schützen.
Olen Steinhauer, den man mit Fug und Recht als den legitimen Erben von Ross Thomas und John le Carré bezeichnen kann, hat wieder ein turbulentes und vertracktes Meisterwerk des Thriller-Genres geschaffen.
Olen Steinhauer | Die Spinne | aus dem Amerikanischen von Friedrich Mader | Heyne | 496 Seiten | 17,50 EUR















