Aufstieg und Fall der deutschen Atomwirtschaft

Ein Historiker, besser gesagt: ein Umwelthistoriker – Joachim Radkau – und ein Physiker – Lothar Hahn – haben sich zusammengetan und ein Buch geschrieben, dessen Titel trocken klingt, das sich aber über weite Strecken extrem spannend liest. Denn es geht auch um Wissenschaft, aber erst recht um viel Geld, um politische Manipulation, Konzerninteressen und eine durch viel Geld gezügelte Medienwelt.

Fukushima II, März 2011

Fukushima II, März 2011: Welche Lehren ziehen wir daraus?

Radkau und Hand haben in der Atomfrage den weiten Weg vom Saulus zum Paulus beschritten. Ursprünglich aus unterschiedlichen, durchaus ehrenwerten Gründen, waren beide in den 70er Jahren von den Möglichkeiten der Nuklearenergiegewinnung geblendet: Waren nicht die kalorischen Kraftwerke die schlimmsten Dreckschleudern? Bedeutete nicht  weltweit Atomstrom für alle Wohlstand für alle?

 

Ab den 80er Jahren, und nicht nur unter dem Eindruck von Three Miles Island und Tschernobyl, vollzogen beide ihre Abkehr vom atomaren Gott, der keiner war. Vor allem die Erkenntnis des Zusammenhangs zwischen atomarer Rüstung und „friedlicher Nutzung“ der Atomkraft beschleunigte den kritischen Denkprozess der Ko-Autoren.

„Und wenn immer wieder gefragt wurde, warum die Anti-Atomkraft-Bewegung gerade in Deutschland am stärksten und nachhaltigsten wurde: Lag der entscheidende Grund ganz einfach darin, dass die Bundesrepublik keine Atommacht war, die Adenauerschen Bombenpläne Episode blieben und vor der Öffentlichkeit streng geheim gehalten werden mussten? Dass die Deutschen, unter Einschluss ihrer führenden Atomphysiker von nationaler Megalomanie nach 1945 gründlich die Nase voll hatten? Man könnte das Beispiel Japan dagegenhalten, ebenfalls Kriegsverlierer, der keine Atommacht, vielmehr das bislang einzige Opfer der Atomwaffen ist und dennoch keine starke Opposition gegen die Kernkraft hervorbrachte. Aber für japanische Eliten scheint die Offenhaltung der atomaren Waffenoption eine ungleich größere Bedeutung zu besitzen als für deutsche, da Japan in Ostasien isolierter ist als die Bundesrepublik in Europa“, heißt es im Vorwort.

Trotz des Wortes „deutsch“ im Titel ein Buch auch für österreichiche Leserinnen und Leser!

Joachim Radkau & Lothar Hahn | Aufstieg und Fall der deutschen Atomwirtschaft | oekom-Verlag | 413 Seiten | 25,70 EUR

 

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