Der Club

In „Der Club“ schreibt Takis Würger über die Upperclass, Macht und Verantwortung. – Von Clara Felis

Von vielen Seiten

Der Roman „Der Club“ von Takis Würger wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Es bleibt lange unklar, wer nun die Hauptperson ist, aber vielleicht ist das auch nicht wichtig, weil jede Person ihre eigene Geschichte erzählt, die sich mit denen der anderen kreuzt und auch dadurch verändert wird. Es werden lauter einzelne Geschichten erzählt, die sich doch zu einer Großen formen lässt und sich auf unterschiedliche Spurensuche begibt: nach der eigenen Identität, nach verschiedenen Milieus und wie leicht es sich zwischen ihnen bewegen
lässt, wie sich die eigene Person in diesem Gefüge findet und welchen Erwartungen sie entsprechen kann, darf und muss.


Hinweis
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In die Universität

Die lesende Person begleitet zunächst Hans auf dem Weg von seiner Kindheit bis zum Beginn seines Studiums. Da seine Eltern früh verstorben sind, übernimmt seine Tante Alex die Obsorge, nicht ohne eine Gegenleistung zu fordern. Diese bringt ihn nach Cambridge, dort soll er sich mit einem bestimmten Personenkreis befreunden und in den berühmt berüchtigten „Pitt Club“ eintreten. Die Fähigkeit zu boxen, die er von früh auf lernte, soll ihm dazu verhelfen. Gleichzeitig lernt er auf der Universität Charlotte kennen, die eine Studentin von Alex ist und die ihm ebenso dazu verhelfen soll, sich mit den Reichen und Schönen anzufreunden und sich vertrauensvoll in ihren Kreisen zu bewegen. Etwas Düsteres, dessen Ursprung verschwiegen wird, umgibt Charlotte und das Hans anspricht, der gleichsam eine andere Schwere mit sich trägt.

Die Geschichte nimmt ihren Lauf und es ist interessant in dieses gesellschaftliche Gewebe, sowohl die der Universität als auch die der Upperclass einzutauchen, die manchmal aus der Last des Überflusses banalisiert wird und sich immer wieder neue Herausforderungen aus der Langeweile sucht. Letztlich geht es auch um Macht und welche Verantwortung damit eigentlich einhergeht. Und welche Lügen und Wahrheiten zur Aufdeckung von Verbrechen angewendet werden dürfen. Gerade in Zeiten wie diesen, wo es wieder verstärkt um Männerbünde und Stereotypen geht, ist dieser Roman eine Einladung sich auf den waghalsigen Weg zu machen, eigene Entscheidungen zu treffen und herauszufinden, was Stärke bedeuten kann.

Clara Felis


Takis Würger
Der Club

Kein + Aber Verlag
237 Seiten
€ 22.70

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Team

Ich arbeite seit März 2013 für das Literaturbuffet. In dieser besten Buchhandlung (und natürlich Café) der Welt bin ich für alle sozialen Aktivitäten zuständig. Und die Website. Und und und. ;)

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