Der Grieche

Lasse Holms makedonischer Arzt Demetrios ermittelt wieder. – Von Martin Lhotzky

Quisque, quasque, quousque tandem?

In der alten römischen Republik, hauptsächlich in dem Jahr, als M. Tullius Cicero und C. Antonius Hybrida Konsuln waren (63 v.u.Z.), siedelt Lasse Holm den zweiten Teil seiner Trilogie um den makedonischstämmigen Arzt Demetrios an. Wer sich an den ersten Teil („Der Römer“, Sommer 2016) erinnert, kennt auch Demetrios‘ vollständigen römischen Bürgernamen: Lucius Cornelius (Sulla) Demetrios, da er vom Diktator Sulla persönlich aus dem Sklavenstand in die Freiheit entlassen wurde, was in Rom mit der Übernahme dessen Namens, optional ergänzt durch einen Zusatz (eben etwa den vormaligen griechischen Rufnamen beizubehalten), einherging. Seit damals und der Flucht des Medicus‘ mitsamt familia nach Athen sind rund zwanzig Jahre vergangen.

Eine Leiche im Hafen

Die Handlung in „Der Grieche“ setzt, es handelt sich ja um einen Kriminalroman, mit der Auffindung einer grausam zugerichteten Kinderleiche in einem Lagerhaus im Hafen Piräus ein. Als dann nach kurzer Zeit ein weiterer Bub aus dem Strichermilieu, der „Polizeihauptmann“ der griechischen Metropole und ein harmloser, älterer Lehrer ermordet werden, hält auch Demetrios und seine halbwüchsige, hochintelligente Tochter Philomela nichts mehr in Athen. Die Aufklärung der Mordfälle schleppt sich dahin und ist am Ende ein wenig enttäuschend. Spätestens daran erkennt man, daß es Holm auch im zweiten Band nicht so sehr um Kriminalfälle als um ein Sittenbild der späten römischen Republik geht. Vergleiche mit unserer Gegenwart werden, das kann man ihm auf jeden Fall zugute halten, einigermaßen subtil gezogen. Bei Erscheinen der dänischen Originalausgabe („Grækeren“, Verlag/Forlaget Fahrenheit, April 2015) war zwar von der Kandidatur von Donald Trump für das Präsidentenamt der USA noch nichts zu ahnen, und es mag sein, daß die Übersetzung durch Kirsten Krause einige Anmerkungen zugespitzt hat, aber Verweise auf „alternative Fakten“ sind recht deutlich vorhanden.

Recherche

Auch im zweiten Teil schöpft Lasse Holm aus seiner laut Verlag acht Jahre dauernden Recherche und tatsächlich unterlaufen ihm keine derart groben Schnitzer wie teilweise noch im ersten Band. Das mag auch daran liegen, daß diese Zeit der späten römischen Republik eine der am besten dokumentierten Epochen der antiken Geschichte überhaupt ist. Dennoch wissen wir gerade über die sogenannte Catilinarische Verschwörung nur einseitig, wenn auch tatsächlich zeitgenössisch, aus den Schriften Ciceros und, etwas später, Sallusts, der zwar Gegner Ciceros und Parteigänger Caesars war, aber wohl auch aus diesem Grund die möglichen Verwicklungen des späteren Diktators in die Pläne Catilinas in günstigem Licht darzustellen trachten mußte, Bescheid. Der Rest ist freilich dichterische Freiheit Lasse Holms. Anders als der Titel nahelegt, erfahren wir übrigens nur wenig über Griechenland und Athen – immerhin doch einiges im ersten Drittel –, aber wiederum mehr über Rom vor dem Pompeianisch-Caesarianischen Bürgerkrieg.

Martin Lhotzky


Hinweis
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Buchinformation

Lasse Holm
Der Grieche

Osburg Verlag
455 Seiten
€ 12.40

 

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Team

Ich arbeite seit März 2013 für das Literaturbuffet. In dieser besten Buchhandlung (und natürlich Café) der Welt bin ich für alle sozialen Aktivitäten zuständig. Und die Website. Und und und. ;)

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