Eine wunderbare Zeit zu leben

Jeder kennt Stephen Hawkings Stimme. Also … seine simulierte Computer-Stimme jedenfalls. In diesem schmalen Bändchen sind einige biographische und fachliche Text versammelt.

Was wir schon wissen

Ich weiß eigentlich nicht genau, was ich von diesem kleinen Büchlein halten soll. Zum Teil ist es eine Biographie, zum Teil eine Autobiographie, stellenweise eine Leistungsschau und immer wieder einfach ein Sachbuch zum Thema schwarze Löcher. Der gemeinsame Faktor aller in diesem Buch versammelter Geschichten ist natürlich der berühmteste Physiker der Welt: Stephen Hawking. Schließlich war er es, der den ominösen schwarzen Löchern zu (für ein Weltraum-Phänomen) unglaublicher Popularität verhalf.

Natürlich wissen wir alle, dass Hawking im Rollstuhl sitzt und nicht mehr selbstständig sprechen kann. Seine Computer-Stimme ist nicht nur legendär, sondern vielmehr schon fast Teil unserer Pop-Kultur. Jeder weiß, dass er Opfer einer seltenen, degenerativen Krankheit ist. Und, dass er sich von dieser nicht davon hat abhalten lassen seinen Forschungen nachzugehen.

Wie das Phänomen Hawking begann

„Eine wunderbare Zeit zu leben“ beginnt mit Hawkings Kindheit. Er berichtet von seiner Zeit zu Hause, von seinem Elternhaus und auch davon, wie er sich zunächst orientierungslos einer ungewissen Zukunft ergeben hatte. Die Ungewissheit war natürlich selbstverschuldet. Glaubhaft erzählt er, dass Strebsamkeit in Cambridge, zumindest zu der Zeit, als er noch dort studierte, unter Studenten eher … na – sagen wir ‚mal „verpönt“ war. Bis zu jener Diagnose, die ihn dann schließlich sein ganzes Leben umkrempeln ließ, war der junge Stephen also noch nicht einmal ein echter Physiker.

Das Angenehme an seinen Texten ist, dass sein Krankheit zwar im Fokus steht. Trotzdem erwähnt er sie im richtigen Ausmaß; nicht zu oft und nicht zu selten. Er badet nicht in Selbstmitleid. Er ignoriert sie nicht. Glaubhaft vermittelt er, wie sein Alltag sich langsam aber sicher zu dem verändert hat, was wir heute von ihm wissen.

Ein großer Wissenschafter

Dass er ein großartiger Physiker ist, ist wohl allen klar. In diesem schmalen Bändchen wird aber gleich noch einmal klarer warum er das ist. Denn in durchaus amüsantem Tonfall weiß er von der fabelhaften Welt der Astrophysik zu berichten als wäre es eine Art Hobby. Er schafft es, komplizierte Sachverhalte so auszudrücken, dass wir sie verstehen können, selbst wenn wir Laien sind.

Bestimmt wäre Hawking also ein toller Lehrer geworden. Seine Behinderung gab ihm andererseits die Möglichkeit sich mehr auf seine Arbeit zu fokussieren – denn auf Grund seiner Konstitution ist er von der Lehrpflicht entbunden. Und schließlich ist es fraglich, ob er als Lehrer so viel zu berichten hätte, wenn er gar keine Zeit gehabt hätte seine vielen Theorien zu entwickeln, oder? 🙂

Kurzum: Auch in „Eine wunderbare Zeit zu leben“, dessen Titel wohl auf den Schlusssatz eines kurzen Textes von Hawking persönlich zurückgeht, erfahren wir wieder viel über das Leben, das Universum und den ganzen Rest.

Ich hatte mir einen philosophischen Text erwartet. Aber ich bereue die Lektüre natürlich nicht. Für Menschen, die mit schwarzen Löchern aber überhaupt nichts anfangen können, ist es wohl trotzdem nicht, und wer sich Lebensweisheiten erwartet, der fehlt ebenfalls. Aber für interessierte Laien und Menschen, die gerne knappe Biographien lesen ist es sicherlich eine gute Investition.


Das Buch

Stephen Hawking
Eine wunderbare Zeit zu leben

Rowohlt Verlag
144 Seiten

(D) € 9.99 | (A) € 10.30
ISBN 9783499632358


(Der Text erschien zuerst auf meinem privaten Blog.)

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