Librotago 2014

HAPPY BIRTHDAY, Ludwik Zamenhof!

Plakat des Librotago 2014 im Literaturbuffet

Plakat des Librotago 2014 im Literaturbuffet

Am 15. Dezember 1859 wurde im damals russischen Byalistok Ludwik Lejzer Zamenhof geboren. Der Sohn jüdischer Eltern – sein Vater Markus sah sich als Russe und Atheist, seine Mutter Rozalia war religiös und sprach jiddisch – besuchte in Warschau das Gymnasium und studierte dann in Moskau und Warschau Medizin. 1887 erschien in Warschau die erste Broschüre Zamenhofs, in der die Grundlagen einer von ihm entwickelten Plansprache der Öffentlichkeit vorgestellt wurden. Der Verfasser war damals 28 Jahre alt. Der Augenarzt Zamenhof veröffentlichte seine 40seitige Broschüre unter dem Namen „Dr. Esperanto“ („der Hoffende“), die „internationale Sprache“ wurde deshalb schon bald nur noch „Esperanto“ genannt.

Seit einigen Jahren wird in verschiedenen Ländern der Geburtstag Dr. Ludwik Zamenhofs, eben der 15. Dezember, als “Librotago”, als Tag des Esperanto-Buchs, gefeiert. Lhotzkys Literaturbuffet will dieses Jahr auch in Österreich einen Anstoß dazu geben, sich mit Literatur in und über Esperanto auseinanderzusetzen. Am Librotago schenken Esperantistinnen und Esperantisten einander Bücher, treffen sich, plaudern über Literatur. Gleichzeitig können sich an Esperanto Interessierte mit der breiten Palette an Esperanto-Literatur vertraut machen – von Übersetzungen der Klassiker der Weltliteratur bis zu Fachwörterbüchern, von in Esperanto gedichteter Lyrik hin zu SF- und Kriminalliteratur in der “internationalen Sprache”.

Die Esperanto-Abteilung

Wir präsentieren im Literaturbuffet am 15. Dezember unsere neue Esperanto-Abteilung. Ab 19.00 Uhr kann in lockerer Atmosphäre auf und über Esperanto diskutiert werden, können sich Neugierige mit den Grundlagen der Sprache vertraut machen. Außerdem gibt es ein Büchergewinnspiel und ein “offenes Mikrofon” – wer Lust hat, Gedichte, Texte oder Lieder (im Idealfall auf Esperanto) vorzutragen, bekommt eine “Belohnung”. Und dann stoßen wir mit alkoholfreiem Sekt auf Dr. Zamenhof an!

Esperanto – warum eigentlich?

Dr. Ludwik Zamenhof (1859-1917)

Dr. Ludwik Zamenhof (1859-1917)

Zamenhofs Beweggründe für die Entwicklung einer internationalen Sprache kommen uns heute seltsam vertraut vor: In seiner Geburtsstadt Byalistok im damals zu Russland gehörenden Polen begegneten einander Menschen mit unterschiedlichsten „Muttersprachen“ – polnisch, russisch, deutsch, jiddisch, ruthenisch, hebräisch. Die zaristischen Behörden duldeten mörderische Pogrome und förderten den Hass zwischen den verschiedensprachigen Völkerschaften – eine gemeinsame Brückensprache, hoffte Zamenhof, könnte ein Instrument für Verständnis und Frieden sein. Sprachliche Vielfalt kann eine enorme Bereicherung des Wissenshorizonts der Menschen mit sich bringen – sie kann aber auch Nährboden für kleinlichen Nationalismus, Überlegenheitsgefühle und die Abschottung ganzer „Communities“ sein.

127 Jahre nach Veröffentlichung von Zamenhofs Büchlein ist die Welt sprachlich noch mehr durchmischt als damals. Menschenströme bewegen sich kontinental und weltweit umher, meistens aber nicht freiwillig. Auf der Suche nach Arbeit, nach einer gesicherten Existenz, einem Leben in Frieden, nach Schutz vor Verfolgung, verlassen Menschen ihre Herkunftsländer. Während man allenthalben Parolen von einem „Zusammenwachsen“ der Welt hört, entstehen ständig neue Staaten, ist das grausige Wort von der „ethnischen Säuberung“ Teil der Alltagssprache geworden.

Neue Verhältnisse

Kindergärten und Schulen sind in der öffentlichen Diskussion zu Schlachtfeldern der Sprachdiskussion geworden. Die „Mehrheitssprache“ in den Klassen ist oft nicht mehr die „Staatssprache“, oft sind Kinder mit mehr als fünf unterschiedlichen Muttersprachen in einer Lerngruppe zusammengefasst.

Daher kann es durchaus sinnvoll sein, Bekanntschaft mit der internationalen Sprache Esperanto zu machen. Prof. Günter Lobin von der Universität Paderborn weist auf die leichte Erlernbarkeit Esperantos durch seine „klare und modulare Struktur“ hin. Mit ihr könne in kurzer Zeit das Funktionieren von Sprache verdeutlicht werden. Die Möglichkeit, aus Wortwurzeln neue Wörter zu bilden, macht Esperanto zum „LEGO“ unter den Sprachen und fördert schon bei Kindern die Freude am Ausprobieren neuer Begriffsschöpfungen.

„Aber wir haben doch mit Englisch schon eine internationale Sprache“, heißt es immer wieder. Lassen wir jetzt einmal dahingestellt, dass zweifellos mehr Menschen chinesisch als englisch sprechen; dass „Schulenglisch“ keineswegs zwangsläufig den Zugang zum „Alltagsenglisch“ eröffnet … Die oben kurz skizzierten demographischen Veränderungen sind auch Ausdruck weitreichender politischer Veränderungen, und diese machen es immer problematischer, die Sprache einer „Weltmacht“ zur „Weltsprache“ zu erklären.

Der Librotago

Seit einigen Jahren wird in verschiedenen Ländern der Geburtstag Dr. Ludwik Zamenhofs, eben der 15. Dezember, als “Librotago”, als Tag des Esperanto-Buchs, gefeiert. Lhotzkys Literaturbuffet will dieses Jahr auch in Österreich einen Anstoß dazu geben, sich mit Literatur in und über Esperanto auseinanderzusetzen.

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Team

Ich arbeite seit März 2013 für das Literaturbuffet. In dieser besten Buchhandlung (und natürlich Café) der Welt bin ich für alle sozialen Aktivitäten zuständig. Und die Website. Und und und. ;)

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