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Thalia VS Ennsthaler

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Zur Debatte um angebliche Boykottmaßnahmen von Thalia gegen Verlag und Auslieferung Ennsthaler (Steyr)

Seit einigen Tagen kursiert ein Brief, in dem die Miteigentümerin der alteingesessenen Steyrer Buchhandlung Ennsthaler, Frau Regina Ennsthaler, über die Gangart der Thalia-Geschäftsführung gegen ihr Unternehmen, das auch eine Buchauslieferung und einen Verlag umfasst, berichtet.

Zusammengefasst: Frau Ennsthaler wirft Thalia vor, durch Boykottmaßnahmen gegen die Auslieferung und den Ennsthaler-Verlag auf die Ablehnung eines Kaufangebots für den Buchhandelsstandort am Steyrer Hauptplatz reagiert zu haben. Dadurch wären - lt. Frau Ennsthaler – neben ihrer eigenen Existenz die Arbeitsplätze von rund 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gefährdet.

Die Thalia-Kette ist bereits in der Vergangenheit wiederholt wegen ihres Umgangs mit Lieferanten und Konkurrenten in die Kritik geraten (u.a. in einem ausführlichen Artikel auf Seite 3 der Süddeutschen Zeitung während der Frankfurter Buchmesse 2009). Die Stoßrichtung ist immer die gleiche: Eine marktbeherrschende Macht versucht, sich Verlage zu unterwerfen und Konkurrenten vom Markt zu fegen.

 



Bisher ist uns – nach einigen Tagen, in denen unter anderem über 1.000 Personen einer Facebook-Gruppe zur Unterstützung der Buchhandlung Ennsthaler beigetreten sind – noch keine Antwort von Thalia auf die erhobenen Vorwürfe bekannt geworden. Wir ziehen daraus unsere Schlüsse.

Gleichzeitig möchten wir betonen, dass die Ablehnung der kritisierten Geschäftsmethoden von Thalia keine inhaltliche Solidarisierung mit den von der Auslieferung Ennsthaler vertriebenen Büchern und ihren eigenen Verlagsprodukten bedeutet. Hier werden zur Zeit in einigen Internetforen und Blogs zwei Ebenen miteinander vermengt, die nichts miteinander zu tun haben:

Wenn Auslieferungen, Verlage oder Buchhandlungen Literatur verbreiten, mit der man nicht einverstanden ist, sollte man – sofern man das für sinnvoll hält – entsprechende Kritik bei den betreffenden Firmen üben und je nach Art der Reaktion entscheiden, ob man, z.B., weiter in dieser Buchhandlung einkauft, als Wiederverkäufer die Bücher dieses Verlages anbietet, etc. Das sind persönliche Entscheidungen, die auf einer persönlichen Ebene zu treffen sind. Keineswegs aber kann man gutheißen, wenn ein marktbeherrschender Konkurrent einen solchen Betrieb aus rein eigennützigen Gründen kaputt macht. Inhaltliche Gründe spielen hier nämlich keinerlei Rolle, hier geht es um nackte Geschäftszahlen.

Wenn wir die kulturelle Vielfalt erhalten wollen, müssen wir uns diesen Methoden entgegenstellen, auch wenn uns manche Erscheinungsformen dieser Vielfalt selbst wenig oder gar nicht gefallen. Wir glauben, dass mündige Konsumentinnen und Konsumenten durch ihr Kaufverhalten in solchen Fällen eine klare Stellung beziehen sollten.

Andrea und Kurt Lhotzky

 

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 30. Juni 2010 um 06:24 Uhr  

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