KrimiBlog: Dröge deutsche Krimis?

Zwischen Kuhflade und Wanne-Eickel

Wie dröge ist der deutsche Krimi wirklich?

Lisa Kuppler, unabhängige Lektorin, setzte sich jüngst in der FAZ pointiert mit der Malaise des deutschen Krimis auseinander. Allerdings überspannt sie meiner bescheidenen Meinung nach den Bogen in die andere Richtung.

Seien wir doch ehrlich: Nicht nur in der Krimiliteratur wird genug „Stoff“ produziert, die man in der guten alten bildungsbürgerlichen Zeit der Jugendliteraturforschung wohl als „Lesefutter“ bezeichnet hätte. Das ist aber kein auf den deutschen Sprachraum beschränktes Phänomen. Und auch kein neues!
Schon AD 1931 schrieb der satirische (kommunistische und daher wohl „vergessene“) Schriftsteller Erich Weinert in einem Gedicht:

„In der Straßenbahn, in der Mittagspause,
abends im Bette, sonntags zu Hause
nimmst du dir einen Schmöker zur Hand.
Den frißt du, wie du ein Gulasch frißt,
Und fragst nicht, wes Geistes Kind er ist:
Hauptsache: Er spannt!

Und wenn du deinen Roman gefressen,
dann hast du auf einmal alles vergessen,
die trockne Stulle, das kalte Ofenrohr.
Dann kommst du dir wie besoffen vor!“

Das Problem, vor dem wir Buchhändler stehen: Aus der Fülle von „Spannungsliteratur“ das herauszufiltern, was eben mehr als dieses bloße Lesefutter ist – je nach Geschmack mit Schwerpunkt auf die literarische Qualität, den gesellschaftspolitischen Anspruch oder beides.

Katastrophal ist natürlich diese Vermarktungsmasche mit dem „Regionalkrimi“. Wer würde Dashiell Hammetts „Rote Ernte“ als „Regionalkrimi aus Poisonville“ verbraten wollen? Vermutlich würde hier eine Schamgrenze überschritten. Abgesehen von den wirklichen Klassikern gibt’s doch eine Flut von teilweise wirklich hervorragenden amerikanischen, schottischen, irischen, schwedischen … Krimis, denen man bei entsprechender Konsequenz dieses Etikett ankleben könnte.

Aber – um den Bogen zurück zu Frau Kupplers Artikel zu schlagen: Auch die großen deutschen Publikumsverlage bieten die eine oder andere Perle an. Und dann gibt es natürlich auch die kleineren Indieverlage, bei denen zwangsläufig auch nicht immer die Hochliteratur zu Hause ist, der Anteil interessanter und qualitativ hochwertiger Literatur aber beachtlich ist.

Subjektiv werfe ich abschließend noch zwei Namen in die Runde – stellvertretend für eine ganze Reihe meiner Meinung nach nennenswerter deutscher und österreichischer Krimiautoren (man will ja nicht in den Geruch der Freunderlwirtschaft geraten ;-): Rob Alef und Christian von Ditfurth. Beide Autoren haben nicht bei uns gelesen (leider). Ist also wirklich eine unabhängige Bewertung!

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