Never Say Anything

Wahrheit, oder was man dafür halten könnte…

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NSA – kommt uns bekannt vor?

Michael Lüders schreibt sowohl Belletristik als auch journalistische oder politisch-analytische Texte. Sein letzter Bestseller, „Wer den Wind sät“, ist eine kritische Betrachtung der westlichen Politik im Mittleren Osten, Nordafrika und Westasien. Mit „Never say anything“ (einem Akronym für NSA) schrieb er nun einen Thriller, der diesen Themenkomplex unter einem anderen Blickwinkel aufgreift.

Die deutsche Journalistin Sophie Schelling reist auf Einladung eines systemkritischen Kollegen nach Marokko – geheimnisvoll kündigt er an, ihr in einem kleinen Dorf an der Grenze zu Algerien etwas zeigen zu wollen.

Die Fahrt durch die Wüste wird zum Höllentrip. Kaum angekommen, wird ein Hirte von einer Drohne angegriffen und ein Kommandotrupp, der mit Hubschraubern abgesetzt wird, metzelt fast alle Einwohner des Dorfes nieder.

Sophie wird zwar von unbekannten Helfern gerettet- ihre Geschichte kann aber niemand bestätigen: Auf den Resten der von der Drohne abgefeuerten Rakete hat sie die amerikanische Aufschrift gesehen, und die Angreifer waren offenbar ebenfalls US-amerikanische Soldaten.

Schon der deutsche Botschafter in Marokko, ihre erste Anlaufstelle nach der Rettung, macht klar: Sie kann das alles nicht gesehen haben, weil alles ganz anders war: Heimische Al-Quaida-Kommandos haben, mit Unterstützung der algerischen Behörden, das Dorf vom Nachbarland aus angegriffen und ausradiert.

In Berlin wird Sophie zwar in der Redaktion des Magazins, für das sie schreibt, mit offenen Armen empfangen… Aber aus Gründen der „Blattlinie“ und der persönlichen Ambitionen des Chefreadakteurs wird ihr rasch klar, dass sie mit ihrer Geschichte, also: mit ihrer Wahrheit, sehr vorsichtig umgehen muss.

Zur gleichen Zeit kommt in den USA der Kriegsgegner und Enthüllungsjournalist Marc Lindsey bei einem Autounfall um’s Leben. Er hat die amerikanischen „covert actions“ im Irak, Afghanistan und Pakistan enthüllt und ist damit buchstäblich in’s Visier der US-Geheimdienste gekommen.

Aus diesen beiden Strängen flicht Lüders einen Politthriller, der „das gewisse Plus“ bietet: Spannende Überlegungen, wie die Wahrheit (vor allem welche?) in die Medien kommt, wie Zensur und Selbstzensur ineinander greifen, wie pragmatisch Enthüllungen oft sind.

Abschließender Hinweis: Sie werden nach Lektüre dieses Buches die Bluetooth-Fähigkeit ihres Autos mit ganz anderen Augen sehen!

k.l.


Anmerkungen

Das Hintergrundbild im Titelbild wurde hier heruntergeladen. Es befindet sich in der Public Domain.


neversayanythingMichael Lüders
Never say anything

367 Seiten
Beck-Verlag
€ 15.40

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