Leseempfehlung: Underground Railroad

Ein Buch über Sklaventum und Umgang mit der Geschichte.

Underground Railroad

Nach dem Neonazi- und Rassistenaufmarsch in Charlottesville und dem terroristischen Anschlag auf Gegendemonstranten wurde in der österreichischen, aber erstaunlicherweise auch in der amerikanischen Öffentlichkeit wiederholt die Frage gestellt: „Und warum müssen jetzt die Denkmäler von General Lee und anderen Südstaatenoffizieren dran glauben?“.

Wer Colson Whiteheads mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnetes Buch „Underground Railroad“ liest, wird den Zorn und die Trauer, den die Denkmäler zu Ehren der Konföderierten heute immer noch auslösen, besser verstehen.

Der „Underground Railroad“ war ein ausgeklügeltes Netzwerk, das zur Mitte des 19. Jahrhunderts schwarzen Sklavinnen und Sklaven die Flucht, meistens nach Kanada, ermöglichen sollte. Whitehead bricht den Realismus seines Romans immer wieder, etwa, indem das Untergrundnetzwerk als eine reale Eisenbahnverbindung beschrieben oder eine fiktive Gesetzesvorlage zur Ausrottung der Schwarzen ins Spiel gebracht wird.

Die Stärke des Romans liegt aber darin, wie er die Grausamkeit und Unmenschlichkeit des Sklavenhalterregimes spürbar macht.
Dass Denkmäler für die Verteidiger der Sklavenhaltergesellschaft in den Südstaaten etwa so provokant sind wie es bei uns Denkmäler von Himmler und Heydrich wären, versteht man nach der Lektüre wohl besser.


Buchinformation

Colson Whitehead
Underground Railroad

Hanser Verlag
352 Seiten
€ 24.70

 

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Team

Ich arbeite seit März 2013 für das Literaturbuffet. In dieser besten Buchhandlung (und natürlich Café) der Welt bin ich für alle sozialen Aktivitäten zuständig. Und die Website. Und und und. ;)

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