Lesen Sie Krimis!

Über das Lesen von Krimis

Wolfgang Neurath ist passionierter Krimi-Leser. Und bald wissen Sie warum.

Eigentlich wurde der Mensch dazu gemacht, zu faulenzen und einen Krimi zu verspeisen. Wir stellen Ihnen zehn passende Handreichungen vor, um komfortabel in den Lesemodus wechseln zu können:

1 —

Im Grunde genommen verhält es sich im Fall der Krimilektüre wie mit der regelmäßigen Konsultation beim Hausarzt.

Ein längeres Gespräch mit dem Buchhändler Ihres Vertrauens sollte eigentlich immer die notwendige Linderung mit sich bringen: Kurt Lhotzky weiß, welcher Krimi gerade auf den Turntables der Leserinnen und Leser rauf und runter gespielt wird, oder welcher „crime noire“ noch auf seine Entdeckung wartet.

2 —

„Der Kriminalroman ist ein exzellentes Mittel, die komplexe Wirklichkeit in den Griff zu bekommen, ein perfektes Werkzeug, sie ins Licht zu rücken.“- Jean-Claude Izzo, Journalist und Romancier

Die „Wirklichkeit“ der Neuerscheinungen wird jeden ersten Donnerstag im Monat in Form eines Ranking der 10 besten Romane den Leserinnen und Lesern präsentiert. Die Liste dokumentiert die Vorlieben und Empfehlungen von Literaturkritikern und Krimispezialisten:
http://www.zeit.de/2015/27/krimi-zeit-bestenliste-juli

3 —

„Sterben kann gar nicht so schwer sein – bisher hat es noch jeder geschafft.“ – Norman Mailer
Auszeichnungen und Preise als Indikator für hohe Qualität: mein Eindruck – ein Genre, dass mehr Ehrungen als Kugeln kennt:

Agatha Award, der deutsche Krimipreis, der Grand Prix de la Littérature Policière, der Ned Kelly Award, der schwedische Krimipreis, die CWA Dagger Awards, der Friedrich-Glauser-Preis, der Arthur Ellis Award, der Edgar, der Dilys Award, der Hammett Prize, der finnischer Krimipreis und so weiter und so weiter:

https://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie:Krimipreis

4 —

Lektürespurenlesen – begeben Sie sich auf die Lektürefährte eines Connoisseurs der Spannung und der überraschenden Wendungen.

Thomas Wörtche beschäftigt sich umfassend seit Anfang der 70er Jahre mit der Kriminalliteratur. Für ihn ist Kriminalliteratur eine legitime Variante des zeitgenössischen Erzählens, weil in der Kriminalliteratur „das Erzählte aus, von und über diese(r) Welt tatsächlich noch eine Rolle spielt, aber nicht unabhängig davon ist, wie was erzählt wird. Das unterscheidet sie von der ganzen selbstreferentiellen Schleifen und den Erzählungen aus dem meist zutiefst uninteresssanten Innenleben uninteressanter Menschen.“ (TW).

http://kaliber38.de/woertche.htm

5 —

„If nobody don’t say nothing, maybe nobody won’t get hurt.“ – Dashiell Hammett, The Whosis Kid (1925)

Die Krimibuchhandlung Hammett verkauft nicht nur Bücher in Berlin, sondern liefert seit vielen Jahren wichtige Sichtungsarbeit in Form von Rezensionen:

http://www.hammett-krimis.de/krimi_rezensionen/

6 —

»Eine Gesellschaft spiegelt sich auch immer in ihrer Kriminalität!« Volker Kutscher, Historiker und Krimiautor

Die historische Methode: Im Jahr 1990 hat das Bochumer Krimi-Archiv in einer großen Rundfrage bei Krimi-Kritikern, Krimi-Buchhändlern und Krimi-Autoren nach den ihrer Meinung besten Kriminalromanen gefragt. Das Ergebnis ist die folgende Liste der119 besten Kriminalromane aller Zeiten:

http://www.kaliber38.de/preise/bestlist.htm

7 —

Die theoretische Methode: Der französische Soziologe Luc Boltanski zeigt in seinem Buch «Rätsel und Komplotte» die historischen Verbindungen zwischen dem Entstehen des Kriminalromans, dem Aufkommen der Paranoia und der Entwicklung der Soziologie. Gleichzeitig kann man das Buch auch als intellektuelles Navigationsinstrument für die Welt von Sherlock Holmes, Kommissars Maigret und des Spionageromans verwenden; Lektüreempfehlungen inklusive

Boltanski zu seinen Intentionen:

„Ich muss gleichwohl hinzufügen, dass ich mir, als ich es schrieb, gewünscht habe, dass auch Leser, die keine Soziologen, sondern Vertreter anderer Disziplinen (oder gar keiner Disziplin) sind, Interesse an der Lektüre dieses Textes finden könnten. Eines meiner Hauptanliegen bestand darin, symbolische Formen wieder aufzugreifen, die sich, weil sie an den Rändern der sozialen und politischen Realität liegen – dort, wo sie am handfestesten ist und fiktional besonders fantasievoll dargestellt wird -, weder dem Einsatz der klassischen soziologischen Methoden noch dem Rückgriff auf die Mittel, die die Literaturwissenschaft bereitstellt, ohne Weiteres anbieten. Dies setzte eine Wiederbelebung der Verbindungen voraus, die die Soziologie immer schon in die Nähe des weiten Bereichs der »Geisteswissenschaften« gerückt haben. Auf diese Weise hoffte ich, einen Beitrag zur Analyse der politischen Metaphysiken zu leisten, die sich nicht notwendig in die kanonischen Formen der politischen Philosophie eingeschrieben, das vorige Jahrhundert aber trotzdem geprägt haben und aller Wahrscheinlichkeit nach auch in unserem jetzigen weiter herumspuken.“ – S.19

Luc Boltanski: Rätsel und Komplotte. Kriminalliteratur, Paranoia, moderne Gesellschaft. Aus dem Französischen von Christine Pries. Suhrkamp/Berlin

8 —

„Kritiker interessieren mich nicht. Die müssen für die Bücher nicht bezahlen.“
(Mickey Spillane; zit. nach: Martin Compart, Ewige Feuerpause für Mike Hammer, in: www.evolver.at/?story=2407)

Crimemag als Teil von CULTurMAG ist ein Internet-Feuilleton, das sich selbst als kritisch, informiert, kreativ, unterhaltsam und reflektiert bezeichnet. Für Freude der Kriminalliteratur ist dies besonders erfreulich, da das Krimimagazin als Plattform gegen den Mainstream fungiert und Nachdenkliches und Kritisches publiziert. Fachkundige Information und fröhliche Polemik finden im Internet-Feuilleton zueinander.

9 —

„Wir brauchen und sollten uns nicht schämen, Kriminalliteratur zu produzieren.“ Friedrich Glauser
Krimiblogs: nicht nur professionelle Kritiker wie Tobias Gohlis bieten ihre Rezensionen in Form von Blogs zum Nachlesen oder zum Recherieren im Netz an, sondern auch ambitionierte Laien teilen nicht nur ihre Lektüreerfahrungen, sondern dokumentieren die Neuigkeiten im Netz.

Zum Beispiel: www.krimiblog.de

10 —

„Der Tod ist eine Möglichkeit, weniger Geld auszugeben.“ – Woody Allen

Meinen Einstieg in die Welt der Kriminalromane fand ich natürlich im Gespräch mit Kurt Lhotzky durch die Roman-Dekalogie „Roman über ein Verbrechen“ des schwedischen Autorenpaars Maj Sjöwall und Per Wahlöö (schwedisch: Roman om ett brott), die zwischen 1965 und 1975 erschienen ist. Die Romane wurden sehr erfolgreich verfilmt, trotzdem würde ich weiterhin zu den Büchern greifen, und zwar in der Reihenfolge ihres Entstehens.

„Es ist von jeher eine der wichtigsten Aufgaben der Kunst gewesen, eine Nachfrage zu erzeugen, für deren volle Befriedigung die Stunde noch nicht gekommen ist.“ – Walter Benjamin

Die meisten Handreichungen sind Fundstücke wie auch die Zitate und sind regelmäßigen Konsultationen der Webseiten, die im Text „zitiert“ wurden, geschuldet, um den Dialog über Crime und Thrill mit Kurt Lhotzky fortzuführen zu können; plaudern Sie mit uns einfach mit.

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Team

Ich arbeite seit März 2013 für das Literaturbuffet. In dieser besten Buchhandlung (und natürlich Café) der Welt bin ich für alle sozialen Aktivitäten zuständig. Und die Website. Und und und. ;)

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