Mind Games – JuBuBlo

Aktualität über lange Zeit

"Mind Games" von T. Teri

„Mind Games“ von T. Terry

Dystopien, also ein skeptischer Blick auf die Zukunft, haben Hochsaison. Mit ‚Hunger Games‘ im Kino und ‚Die Bestimmung‘ im Bücherregal (beides auch umgekehrt) gibt es viele spannende Geschichten zu erzählen. ‚Mind Games‘ ist eine davon.

Es gibt Themen, die waren vor zwanzig Jahren aktuell und werden immer aktueller. Während Stephen Hawking (und viele andere – aber verdammt nochmal: Stephen Hawking!) vor Zuständen warnen, wie sie im Kino-Superkassenschlager ‘Terminator’ zu sehen waren, schreitet die Menschheit unablässig in Richtung Skynet voran. (Insider: Skynet heißt die künstliche Intelligenz, die alle Terminatoren steuert).

Gut, jetzt laufen in ‘Mind Games’ keine Killermaschinen umher und ‘PareCo’ ist (wiewohl eine Firma aus der gleichen Branche) kein ‘Cyberdine’. So arbeitet PareCo nicht an künstlichen Intelligenzen, sondern vielmehr an künstlicher Dummheit. Aber alles ganz langsam…

Psychopathie und Intellekt

Mit der Intelligenz ist es nämlich gar nicht so einfach, wie man sich das vorstellt. Spreche ich von intelligenten Menschen, tauchen sofort Namen wie ‘Albert Einstein’, ‘Stephen Hawking’ (Stephen Hawking, verdammt!) und ‘DerSinn’ vor unserem geistigen Auge auf. Was aber ist zum Beispiel mit ‘Jack the Ripper’? Er war zweifelsfrei ein intelligenter Psychopath. Und wie ihn gibt es noch viele mehr.

In der Welt von ‘Mind Games’ gilt deshalb die ‘Rationalität’ als besonders wichtiges Merkmal in der Mitte der Gesellschaft. Denn wo sie fehlt (Intellekt aber vorhanden ist), da ist Gefahr im Verzug – glaubt man. Und so nimmt es nicht Wunder, dass diese beiden Faktoren beständig überwacht werden und ‘auffällige’ Menschen so früh wie möglich unter noch stärkerer Beobachtung stehen. Unauffällig, versteht sich. Unauffällig aber konsequent.

Verschlimmbesserung

Dabei könnte alles so einfach sein, denn die Technik hat, seit unserer Zeit, gewaltige Fortschritte gemacht. Brauchte man früher noch Laptops, Mobiltelefone oder SmartWatches um das Internet mit Katzenfotos zu überschwemmen, so benötigen Lunas Freunde (oder vielmehr: Zeitgenossen) nur mehr das Implantant in ihrem Kopf um sich ins Internet einzuklinken. Das Internet – auch so eine Sache. Anders als bei uns handelt es sich dabei nicht um Bildschirminhalte, die von weit entfernten Orten via Leitung auf unsere Monitore geknallt wird, sondern vielmehr um virtuelle Räumlichkeiten, die via Leitung in unsere Hirne geknallt werden. Äh. Oder umgekehrt.

Jedenfalls taucht man bei Benutzung in eine Welt ein, die einem sehr real vorkommen muss. So real, dass manche diese Cyberspace kaum noch verlassen bzw vom ‘Original’ unterscheiden können.

Luna – die jugendliche Protagonistin des Romans – allerdings … tja. Sie verweigert einen solchen Chip in ihrem Kopf. Und das hat zwei (gute) Gründe: Einerseits die beständigen Warnungen ihrer Großmutter, andererseits die beständigen Warnungen ihrer (inzwischen verstorbenen) Mutter Astra.

So gilt sie als Außenseiterin ihrer Schule, sitzt zusammen mit den anderen ‘Verweigerern’ in einem altmodischen Klassenraum – wo andere per Chip unterrichtet werden – und bemüht sich, den Ball flach zu halten. Doch es nutzt alles nichts: PerCo, Veranstalter von staatlich verfügten Eignungs-, Intelligenz- und Rationalitätstests, lädt Sie trotzdem zu einem ebensolchen.

Und genau da beginnt Lunas Elend, zeigen sie doch auf, was sie unter Gleichaltrigen so besonders macht: Ihre Fähigkeit zu erkennen, was andere – vielleicht bedingt durch die Implantate in ihren Köpfen – nicht erkennen können. Oder wollen.

More of the same?

‘Mind Games’ erfindet nichts neu, kombiniert aber großartige Science-Fiction-Elemente neu miteinander. Teri Terry gelingt es dabei, die richtige Balance zwischen Kitsch und reißerischer Story zu finden; zwischen Jugendlichkeit in Ausdruck bzw Schreibtstil und hintergründiger Erzählung. Was an Plot-Kreativität (und hie und da technischer Plausibilität) fehlt, macht sie vor Allem dadurch wett, dass ihre Geschichte so verdammt nah an den Möglichkeiten ausgesprochen naher, zukünftiger Entwicklungen schrammt. Stephen Hawking (verdammt!) würde vermutlich das Gleiche sagen.

Ich empfehle ‘Mind Games’ allen, die in ‘Terminator’ nur einen einfachen Action-Kracher sehen, als leichter verdauliche Kost. Und Genre-Neulingen als Einstiegsdroge, die noch vieles erwarten lässt. 🙂

Teri Terry | Mind Games | 978-3-649-66712-4 | € 18.50


Dieser Beitrag wurde bereits auf meinem
privaten Blog veröffentlicht.
(DS)

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