Sherlock Holmes und der Höllenbischof

Sherlock Holmes und Dr. Watson ermitteln in einem mysteriösen Fall. – Von Martin Lhotzky

Der Höllenbischof verbreitet Bombenstimmung!

Mit einem Mordanschlag auf den wohl bekanntesten Detektivs der Literaturgeschichte, Mr. Sherlock Holmes, wohnhaft 221B Baker Street, Marylebone, London, beginnt der jüngste Roman aus den Memoiren von John H. Watson, M. D., ehemals Mitglied des Medizinischen Dienstes der Armee. Verfaßt hat diese Schrift allerdings nicht Sir Arthur Conan Doyle, sondern Barbara Büchner, Wiener Autorin und seit einigen Jahren auf neue und meist mystisch-mysteriöse Fälle von Holmes und Watson spezialisiert.

Seancen

Holmes, der diese Attacke unverletzt – lediglich ein zerrissener Mantelärmel ist zu beklagen – übersteht, wird in dem Fall um den, von Watson so getauften, „Höllenbischof“ nicht nur mit ebenjenem Widersacher sondern, wenn auch erst im letzten Viertel des Buches, mit an Voodoo und andere, viel ältere magische Rituale gemahnenden Praktiken konfrontiert. Zwar ist von Anfang an immer wieder von Séancen, selbst in allererlauchtesten Kreisen des Empire (Ihre Majestät, Königin Victoria höchstselbst, und ihre Vorliebe fürs Tischerlrücken werden erwähnt) die Rede, holt der Meisterdetektiv wiederholt die Expertenmeinung eines selbsternannten Mediums, das an den ganzen Spuk keinesfalls glaubt, aber gut daran verdient, ein und scheut sich auch nicht, das Alte Testament (Moses, Aaron, Pharao und die Hofzauberer, Ex. 7; 10 – 12) zu bemühen. Aber als wissenschaftlich gebildeter Mann will Sherlock Holmes die von Watson geschilderten zauberischen Umtriebe nicht zur Kenntnis nehmen. Für die Auflösung der Rätsel des Bandes, darunter ein dekadenter Club von Rauschgiftsüchtigen und geheimnisvolle, im akademischen London als Archäologen geschätzte Spiritisten, ist solch ein Hokuspokus auch gar nicht nötig.

Außerdem sind die weiteren Attacken, die im Laufe der sich über ein Jahr am Ende des 19. Jahrhunderts hinziehenden Geschichte auf Holmes verübt werden, darunter hochgiftige, rabiate Ameisen oder eine farb- und geruchlose, tödlich wirkende chemische Substanz, völlig ohne Magie auszuführen. Wäre das Buch übrigens erst im Feber 2017 und nicht bereits im Laufe des Vorjahres entstanden, könnte man an die Vorlage für jüngst in Kuala Lumpur stattgefunden habende Ereignisse, die einen bis dahin der Öffentlichkeit hinlänglich unbekannten Nordkoreaner betrafen, denken!


Hinweis
Diese Rezension – und viele mehr! – finden Sie in unserer aktuellen Buchstabensuppe 2 / 2017!

Ein toller Einstieg

Barbara Büchner deutet im Gespräch an, daß dies wohl ihr letztes Werk (nach mehreren Kurzgeschichten und zwei Romanen, „… und das verschwundene Dorf“, 2013, „… und die seltsamen Särge“, 2014, beide ebenfalls im Fabylon-Verlag erschienen) über das weltbekannte Ermittlergespann sein wird. „Sherlock Holmes und der Höllenbischof“, ist, wenn auch nicht der überraschendste oder vom Aufbau her gewagteste Band der Reihe, doch ein solide erzählter Kriminalfall, mit akribisch recherchiertem Hintergrundwissen angereichert. Wer mehr von dieser Art von mystischen, paranormalen Abenteuern des auch hier noch nüchtern wirkenden Detektivs lesen will, findet zumindest einen guten Einstieg ins Genre.

Martin Lhotzky


Barbara Büchner
Sherlock Holmes und der Höllenbischof

Fabylon Verlag
211 Seiten
€ 15.40

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Ich arbeite seit März 2013 für das Literaturbuffet. In dieser besten Buchhandlung (und natürlich Café) der Welt bin ich für alle sozialen Aktivitäten zuständig. Und die Website. Und und und. ;)

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