Slow family

Eine Rezension von Lena Samek

Ein einfaches Leben – mit Kindern

Julia Dibbern und Nicola Schmidt, beide Mütter, Journalistinnen, Blogerinnen, langjährige Freundinnen, windelfrei-Expertinnen und „Pionierinnen der Artgerecht-Bewegung“ (Zitat Klappentext) schreiben in Ihrem ersten gemeinsamen Buch über das Phänomen Stress in der Familie, welche Auswirkungen er hat und wie man ihm als Eltern begegnen oder gar ausweichen kann.

Im ersten Teil des Buches versuchen Sie dem Stress in Familien auf den Grund zu gehen. Man merkt die beiden haben sich viele Gedanken dazu gemacht und tragen ihre Recherche auf mehr oder weniger wissenschaftliche Weise zusammen, ergänzen um eigene Erfahrungen und Gedanken. Immer wieder lassen sie ihre gefundenen Lösungen anklingen, die sie im zweiten Teil vertiefen und konkretisieren wollen. Den ersten Teil schließen sie mit ihren persönlichen Werten – langsam, achtsam, echt – auf deren Basis sie dem Geschriebenen zufolge ihre täglichen kleinen und großen Entscheidungen treffen. Sie formulieren außerdem die sieben Grundzutaten, die es ihres Erachtens braucht, um nach diesen Werten handeln zu können und eine „slow family“ zu werden.

Im zweiten Teil wird es ganz konkret. Zu drei Lebensbereichen – slow village, slow nature und slow family life – tragen die beiden ihre persönlichen Erfahrungen zusammen, geben Anregungen was genau wir für ein sicheres soziales Netz tun können, wie wir Natur erlebbar machen können auch, wenn wir in der Stadt leben und wie wir die Bindung zu unseren Kindern entfalten können.

Was ihnen meines Erachtens gelingt
  • Ihre Sprache ist ziemlich wertfrei, ermutigend bis motivierend, immer positiv und auf Stärken fokussiert.
  • Sie stellen ihre Überlegungen auf eine breitere Basis, beziehen Ökonomie und ökologisches und soziales Handeln mit ein und eröffnen die Möglichkeit im Kleinen die Welt zu verbessern und trotzdem das was Familien trägt – das innere Beziehungs- und Wertegeflecht – an erster Stelle zu belassen.
  • Ihre Anregungen sind wunderbar konkret, simpel und lustvoll und laden ein am liebsten gleich damit zu beginnen.
  • Das Buch ist sehr persönlich, das macht es echt und herzlich.
  • Der Tenor des Buches ist entspannt. Es gibt keine Erziehungsratschläge und also auch kein falsch und richtig.
Was ihnen meines Erachtens nicht gelingt
  • Der erste Teil erscheint mir so gewollt wissenschaftlich und spießt sich mit der extrem flapsigen Sprache, die mir generell nicht zusagt. (Das heißt nicht, dass ich den Inhalt nicht relevant finde, im Gegenteil.)
  • Sie reizen das „slow“ sprachlich schon ziemlich aus, überhaupt ist das „hippe Englisch“ für mein Gefühl etwas zu allgegenwärtig.
    Der Aufbau des Buches (auch graphisch) ist für mich hin und wieder nicht nachvollziehbar.
Fazit

Ja, lesen, wenn du Anregungen brauchst, wie du dein Familienleben lustvoller und sozialer gestalten kannst ohne noch mehr Stress zu haben. Ja, lesen, wenn du mal weniger Ratschläge und mehr Bestätigung für dein Bauchgefühl brauchst. Und ja, lesen, wenn du dich motivieren willst, endlich mal die Veränderung durchzuführen, die du schon lange planst!


Hinweis
Diese Rezension – und viele mehr! – finden Sie in unserer aktuellen Buchstabensuppe 1 / 2017!

Buchinformationen

Julia Dibbern und Nicola Schmidt
Slow Family: Sieben Zutaten für ein
einfaches Leben mit Kindern

Beltz Verlag
240 Seiten
€ 17.50

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Team

Ich arbeite seit März 2013 für das Literaturbuffet. In dieser besten Buchhandlung (und natürlich Café) der Welt bin ich für alle sozialen Aktivitäten zuständig. Und die Website. Und und und. ;)

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