Tana French: Gefrorener Schrei

Tana French “Gefrorener Schrei”: Mobbing oder Paranoia – ist das hier wirklich noch die Frage?

Überall Feinde?

Antoinette Conway stammt aus der Dubliner Unterschicht; Mutter, freundlich gesagt, eigenwillig, Vater unbekannt, Hautfarbe etwas zu dunkel, um als genuin irisch durchzugehen, und dazu noch mit einem Mundwerk wie ein Schwert gesegnet.

Das macht der intelligenten jungen Frau das Leben im Job nicht leicht. Und das ist nicht irgendeiner, sondern: Detective der Dubliner Mordkommission.

Eigentlich kann sie nur mit einem ihrer Kollegen wirklich zusammenarbeiten: Stephen Moran – auch er jung, Neuling in der Mordkommission wie Antoinette, im Gegensatz zu seiner Kollegin ausgeglichen und bemüht, Wogen zu glätten. Anders Conway: Die alten Machos im Dezernat machen ihr das Leben schwer, reißen sexistische Witze, verstecken ihre hart erkämpften protokollierten Verhörprotokolle und schließen Wetten ab, wie schnell sie die Außenseiterin los werden. Antoinette schlägt nicht nur verbal zurück und agiert nach der nicht gerade diplomatischen Formel: Wenn ihr mich nicht mögt, warum soll ich euch mögen?

Der Fall

Dann bricht ein Fall über die zwei herein: Conway und Moran (stimmt, die beiden haben schon im “Geheimen Ort” gemeinsam ermittelt!) sollen eine offensichtliche Beziehungstat klären. Aislinn Murray wird tot in ihrer sterilen Wohnung aufgefunden, und alles deutet auf den Freund des Opfers als Täter hin. Aber das Duo Conway/Moran wittert mehr hinter der Sache, und Antoinette fühlt sich immer mehr von ihren Kollegen blockiert. Selbst ihr Partner Moran wird ihr plötzlich suspekt.

Tana French erzählt die Geschichte aus der Perspektive Antoinette Conways, und irgendwann fragt man sich: geht’s hier wirklich um Mobbing, oder werden wir Zeugen einer veritablen Paranoia? Andererseits – auch wenn man paranoid ist, kann man wirklich verfolgt werden, nicht wahr?

Die gebürtige Amerikanerin Tana French, die allerdings schon seit 27 Jahren in Irland lebt, zeichnet wieder einmal ein dichtes und packendes Porträt des Alltags im Lande des krisengebeutelten keltischen Tigers. Und wie in den anderen Romanen rund um die Dubliner Mordkommission bekommt die Leserin, bekommt der Leser nicht einfach rasante Krimikost serviert, sondern intelligente Dialoge, seitenlange Beschreibungen von Verhören, die intellektuellen Schachpartien gleichen – Spannung vom Feinsten also. Versäumen Sie das nicht – lassen sie sich in die bedrohliche Welt der Antoinette Conway hineinfallen und staunen Sie, was sie dort vorfinden!


Hinweis
Diese Rezension – und viele mehr! – finden Sie in unserer aktuellen Buchstabensuppe 1 / 2017!

Buchinformationen: Gefrorener Schrei (Klick!)

Tana French
Gefrorener Schrei

656 Seiten
Scherz-Verlag (Fischer)
€ 17,50

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