Vernetztes Grauen

Claus Cornelius Fischer hat mit „Nukleus“ einen – ja, was eigentlich: Wissenschaftskrimi? SciFi-Krimi? Fantasy-Krimi? geschrieben.

Alle Kategorisierungen gehen daneben, wenn wir den neuen Roman um die Berliner Notärztin Ella Bach charakterisieren sollen. Eines kann man jedenfalls mit Fug und Recht sagen: Stephen King winkt freundlich aus der Ferne, wenn sich die dämonische Geschichte um Manipuation, Amok und schiere Verzweiflung vor den Leserinnen und Lesern entrollt,

nukleusAction gibt’s mehr als genug – vom Selbstmordanschlag auf die Berliner U-Bahn bis zur wilden Verfolgungsjagd durch London; kontroversielle Themen sind auch in Mengen vorhanden: kriminelle libanesische Clans im Dschungel der Berliner Unterwelt (und ein Polizist, der Sarrazin noch zu liberal findet);  soziale Netzwerke und ihre Auswirkungen auf die unkritischen User; häusliche Gewalt; ärztliche Arroganz…

Ein bisschen viel des Guten? Darüber nachdenken lohnt sich nicht, denn wenn man einmal mit „Nukleus“ begonnen hat, wird man in den Sog der Geschichte hineingezogen. Ja, was wäre wirklich, wenn über ein soziales Netzwerk kaputte Typen aufgespürt, noch kaputter gemacht und letztlich zu Amokläufern umprogrammiert würden? Ist das jetzt Science Fiction? Oder doch schon mehr Wissenschaftskrimi?

Wer einen harten, rasanten und sicher nicht dummen Krimi sucht, ist mit „Nukleus“ bestens bedient. Eine einzige Bitte an den Autor: Es muss ja nicht gleich letal enden, aber Ella Bach sollte nach all den Schlägereien, Mordanschlägen und Explosionen, in die sie verwickelt ist, vielleicht doch ein bisschen mehr bandagiert werden müssen als in diesem Roman ;-).

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