Leseempfehlungen

…aber die Iris lässt uns nicht verkommen!

Obelix ist ziemlich verwirrt – er soll seinen Häuptling Majestix aufheitern, während Asterix die Kutsche (eher ein Heuwagen, aber man nimmt, was man kriegen kann) in Richtung Lutetia* lenkt. Und Majestix lacht über keinen einzigen Witz! Was ist da passiert?

Blättern wir ein paar Seiten zurück …

Gallien, im Jahre 50 v.u.Z. Gaius Julius Cäsar hat es noch immer nicht geschafft, das kleine gallische Dorf an der Küste von Aremorica zur Raison zu bringen. Nun bietet sich der oberste Medicus von Cäsars Armeen, Visusversus, an, eine neue Taktik anzuwenden. Er nennt sie „Die weiße Iris“ und so lautet auch der Titel des neuesten Asterix-Bandes Nr. 40, oder, wie wir Lateiner schreiben würden: XL. Es scheint sich um eine Frühform psychologischer Kriegsführung zu handeln. Visusversus schwafelt irgendetwas, offenbar Beruhigendes in oft unverständlichen, aber äußerst gebildet klingenden Worthülsen daher. Und überzeugt damit nicht nur Cäsars Legionäre – diese, sich doch dem Kampf gegen die uns wohlbekannten Gallier zu widmen –, nein, sogar eine Mehrheit der Dorfbewohner, darunter Gutemine, die Gemahlin von Majestix. Sie reist daraufhin in Begleitung von Visusversus nach Lutetia, um wieder einmal ihren Bruder zu besuchen. Visusversus aber plant, sie an Cäsar auszuliefern, wodurch dieser dann die letzten Gallier zur Kapitulation zwingen könnte. Zur Beruhigung sei noch verraten: auch dieses vierzigste Abenteuer endet wieder mit einem Fest im Dorfe, und Gutemine umarmt ihren Majestix inniger als je zuvor.

Die Story ist, man muss es leider sagen, nicht wahnsinnig originell, erinnert teilweise an eine Mischung aus früheren Asterix-Alben – „Streit um Asterix“ (Band 15 / XV), „Der Seher“ (Band 19 / XIX) und „Obelix GmbH & Co. KG“ (Band 23 / XXIII) kommen einem da gleich in den Sinn. Man könnte das dem neuen Verfasser, Fabrice Caro, genannt Fabcaro, der mit dem aktuellen Band von Jean-Yves Ferri (verantwortlich für die fünf Alben davor) übernommen hat, anlasten. Aber das wäre nicht fair, denn unter der Oberfläche brodelt es geradezu. In der Originalfassung kommt das freilich noch besser zur Geltung, auch wenn sich die deutsche Übersetzung viel Mühe gibt. Aber wer würde im deutschsprachigen Raum schon Zitate erkennen, die zum Beispiel von Emanuel Macron stammen und hier parodistisch verdreht werden? Selbst an den Klassiker aus Krieg der Sterne, „Möge die Macht [hier allerdings: Kraft] mit Dir sein!“, wagt man sich heran.

Anspielungen anderer Art gelingen Didier Conrad, der glücklicherweise dem klassischen Stil von Uderzo (nach Einschätzung des Unterzeichneten etwa bis „Das Geschenk Cäsars“, Band 21 / XXI) treu bleibt. Visusversus zum Beispiel erinnert stark an den Philosophen Bernard-Henri Lévy, ein „berühmter gallischer Schauspieler“ namens Boxoffix an den berühmten französischen Schauspieler Jean Rochefort. Und nicht zuletzt die Mimik von Majestix – ein Meisterwerk! Und wer ein Wildschwein glücklich in den Armen von Obelix grunzen sehen will, ist in „Die weiße Iris“ genau richtig.

Martin Lhotzky

* Früherer Name von Paris.

Angaben

R.Goscinny / A.Uderzo
Asterix Bd. 40 – “Die weiße Iris”
Egmont Verlag / 48 Seiten
€ 13.90 (Gebunden)
ISBN 9783770424405
Gleich via E-Mail bestellen!

Auf dass uns der Himmel nicht auf den Kopf fallen möge: Cover und Bilder aus dem Buch sind Eigentum des Verlags.

Tags

Aktuelles Fenster

🐰 Osterauslage
Bild der Osterauslage
Ostern naht – in Riesenschritten! 😊

⭐ Auf einen Blick

📚 Das Literaturbuffet
Bild der Buchhandlung
Das Literaturbuffet ist eine gemütliche Mischung aus Buchhandlung und Café in der Wiener Rotensterngasse.
📖 Service
Bücher, die wir nicht lagernd haben, bestellen wir selbstverständlich gerne!
🕑 Öffnungszeiten
Montag: Geschlossen
Dienstag – Freitag: 10.00h – 18.00h
Samstag: 10.00h – 13:00h
📍 Adresse
Rotensterngasse 2
/ Ecke Taborstraße 28
A 1020 Wien
👋🏻 Kontakt
📞 +43 (0) 6991 585 16 68
✉️ office@literaturbuffet.com

📰 Newsletter Anmeldung

Loading