
Gisbert Haefs, Die Mörder von Karthago
Endlich als Taschenbuch! Heyne / € 9,30 ISBN 978-3-453-47114-6
Alle Wege führen nach Rom - sagt man. Einige scheinen jedoch zum wahrscheinlich größten politischen Widersacher der lateinischen Welt abgebogen zu sein: Nach Quart Hadascht, das wohl besser unter dem Namen "Karthago" bekannt ist. Als "Punische Kriege" gingen die Auseinandersetzungen der beiden Großmächte in die Geschichte ein - und dreizehn Jahre nach dem ersten derselben setzt die Handlung von "Die Mörder von Karthago", dem neuesten Werk des Bestsellerautoren Gisbert Haefs.
Bomilkar, der punische "Herr der Wächter", Oberhaupt der Sicherheitskräfte von Karthago, stößt auf eine mysteriöse Mordserie. Erst findet er einen in der Stadt ermordeten indischen Priester, der eigentlich unter dem Schutz des weihrauchverhangenen Tempels des Stadtgottes Baal Melkart gestanden hatte. Schon während der ersten Ermittlungen trägt ihm die Witwe eines unter nicht minder ominösen Umständen verstorbenen Gastwirten ihren Kummer vor - und Bomilkar wird den Verdacht nicht los, dass diese Morde (und einige weitere, wie sich herausstellt) zusammenhängen. Doch wie?
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Taste the waste!
"Wieviel Müll entsteht eigentlich in einem durchschnittlichen Privathaushalt?" ist eine einfache Frage, sollte man meinen. In Wahrheit ist es gar nicht so einfach Antwort darauf zu geben. Wie Stefan Kreutzberger und Valentin Thurn während der Dreharbeiten zu ihrer Dokumentation "Frisch auf den Müll" herausfanden, gibt es nur in den wenigsten Ländern überhaupt Daten dazu.
Wie dramatisch schnell Müllberge wachsen können, sieht man derzeit besonders gut in italienischen Städten, in denen die Müllentsorgung gänzlich zusammengebrachen ist. Was aber beinahe genauso schockierend ist: Ein sehr großer Prozentsatz dieser Abfälle besteht aus Lebensmitteln, die noch genießbar sind und es auch noch lange wären!
In "Die Essensvernichter" begeben sich die beiden auf die Spur der unglaublichen Lebensmittelverschwendung, die schon bei den Bauern auf dem Feld beginnt, ihre Kette über die Lebensmittelhändler weiterführt und schließlich im Privathaushalt endet. Eindrucksvoll schildern sie ihre Erlebnisse in unterschiedlichsten Gegenden der Welt (etwa in Tokio, wo die Verschwendung im Schatten einer Art "Frische-Sucht" gigantische Ausmaße annimmt), und zeigen auf, was diese für andere Teile der Welt (etwa Afrika) bedeuten.
Dazwischen werden immer wieder kreative Ideen eingeflochten die eigene Verschwendung zu reduzieren, und Projekte vorgestellt, die ihr entgegenwirken wollen. Ein wirklich empfehlenswertes Buch, das seinesgleichen sucht!
Die Essensvernichter | Kiepenheuer & Witsch | Taschenbuch | 978-3-4620-4349-5 | € 17.50

Die neue Manotti: Schwarz wie das Leben in den Pariser Vororten
Wer die bisherigen Romane von Dominique Manotti - „Letzte Schicht” und „Roter Glamour” - gelesen hat weiß, warum die französische Autorin zu Recht wie ein Komet am Himmel der französischen Kriminalliteratur, die ja keineswegs arm an Stars ist, aufgrestiegen ist. „Einschlägig bekannt” ist der dritte Roman Manottis, der im Argument-Verlag auf deutsch erschienen ist – und wieder ist es eine schaurige furiose Geschichte, die sich da vor der nägelknabbernden Leserschaft entrollt.
Ein typischer Vorort von Paris – Panteuil. Französinnen und Franzosen, deren Hautfarbe nicht weiß ist; Einwanderer, Flüchtlinge; Kleinkriminalität, arbeitslose Jugendliche. Eheliche Gewalt und kleine Drogendealer. Eine Mischung, die brisant werden kann.
Mitten drin wie eine Trutzburg das Polizeikommissariat, geleitet von Kommissarin Le Muir. Aus algerienfranzösischer Familie stammend, fühlt sie sich am rechten Rand der Politik wohl und hat auch ihre Connections dorthin; ein Innenminister, der das Land vom Unrat säubern will; Polizisten der zivilen Brigade Anti-Criminalité, die tickende Zeitbomben sind, und denen man schon als rein-weißer, unbescholtener und normal verdienender Franzose lieber nicht begegnen will – und schon gar nicht als arbeitsloser schwarzer Jugendlicher.
Wie unschuldige Kinder nehmen sich da zwei junge PolizeianwärterInnen aus, die ihrem Dienst gerade antreten müssen, als Commissaire La Muir ihren persönlichen Feldzug gegen den „Abschaum” beginnt. Denn beide leben noch mit der Illusion, dass die Polizei wenn schon nicht der Gerechtigkeit, so doch dem Gesetz dienen soll. Und hinter den Kulissen beobachtet Nouria Ghozali vom Zentralen Nashcrichtendienst der Polizei mit wachsendem Grauen, was sich da in Panteuil zusammenbraut.
Dominique Manotti Einschlägig bekannt Argument-Verlag EUR 13,30
Wir freuen uns, Dominiqw Manotti am 21. September im Französischen Kulturinstitut, Währinger Straße 30, 1090 begrüßen zu dürfen!
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"Der deutsche Rassismus ist besonders gewaltbereit" (Steven Uhly)
Der junge deutsch-bengalische Autor Steven Uhly ("Mein Leben in Aspik") hat in "Adams Fuge" ein Thema aufgegriffen, das unmittelbar nach Erscheinen des Buches mit brachialer Brutalität in die öffentliche Diskussion eingebrochen ist: Die rechtsextreme Gewalt gegen "Fremde", die Mordlust des nationalsozialistischen Untergrunds, das verzahnte schmutzige Wechselspiel von V-Männern, Spitzeln und Mördern.
Was sich wie eine schräge Agentenparodie auf Speed liest - der in Deutschland geborene Sohn eines türkischen Vaters, der während seines Militärdienstes einen kurdischen Politiker tötet, als Geheimagent ausgebildet und mit dauernd wechselnden Identitäten nach Deutschland geschickt wird und es dort nicht zu knapp mit Spionen, Agenten, Provokateuren und Neonazis zu tun bekommt - lässt einem heute mitunter von einem Satz auf den anderen das Lachen vergehen.
In Deutschland hat Uhlys Buch zu Recht Kontroversen ausgelöst. Hier der Link zum "Bericht des Anstosses" im öffentlich-rechtlichen deutschen Fernsehen.
Das Buch könnte ein gutes Weihnachtsgeschenk auch für junge Erwachsene sein (auch wenn es natürlich kein "Jugendbuch" ist). Ja - die Sprache ist mitunter recht drastisch. Aber keine Sorge - die Kids heutzutage halten einiges aus...
Adams Fuge (von Steven Uhly) | Verlag Secession | Gebunden | 978-3-9059-5108-0 | € 23.30

Rebecca Gablés Waringham-Saga geht (endlich) weiter!
Dass Heinrich VIII. eine der interessantesten Figuren der englischen Geschichte ist, scheint inzwischen unbestritten. Zwar ist er gemeinhin vor Allem für seine recht aprupten Scheidungsmethoden bekannt, doch liegt sein eigentliches Hauptwerk in der Entfachung (oder Bestärkung) eines in der damaligen Zeit ausgesprochen gefährlichen Unterfangens: Der Loslösung der englischen Kirche von der römisch-katholischen Mutter.
In "Der dunkle Thron" erlebt man, an der Seite eines jungen Adeligen aus Rebecca Gablés Adelshaus "Waringham", diese Zeit hautnah mit und taucht in die religiösen wie weltpolitschen Wirren ein, die zur Zeit dieser Abspaltung die Insel heimsuchten. In gewohnt epischer Breite erzählt die deutsche Historikerin von Kämpfen zwischen Papisten (den Romgetreuen) und Reformern, vor dem Hintergrund der weltpolitischen Ereignisse des 16. Jahrhunderts.
Der dunkle Thron | Bastei Lübbe | Gebunden | 978-3431038408 | € 25.70
Supplement-CD zum „Kapital“ erschienen – bei uns erhältlich!
Der Dietz-Verlag Berlin hat dankenswerterweise – gemeinsam mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung – eine Supplement-CD zu Marx' „Kapital“ Band 1 bis 3 herausgebracht.
Zwar gibt es im Internet bereits einige durchdigitalisierte Gesamtausgaben des ökonomischen Hauptwerks von Karl Marx (unter anderem auf www.marxists.org) – das wirklich Sensationelle ist die speziell für diese CD entwickelte Suchfunktion. Für jede Suche lassen sich zahlreiche Parameter definieren. In einer „Matrix-Suche“ etwa lassen sich weit mehr als die üblichen Booleschen Suchoperationen durchführen, weil man auch Synonyme in die Abfrage einbeziehen kann. Die CD enthält neben den drei Bänden des „Kapital“ im HTML- und DOC-Format die Editionsgeschichte, ein Verzeichnis fremdsprachiger Zitate, ein Korrekturen- und Druckfehlerverzeichnis und, besonders spannend, die Übersetzung der in der deutschen Ausgabe nicht enthaltenen Passagen der französischen Version (1872 – 75 erschienen), die ja von Marx extra für diese Ausgabe eingefügt wurden. Immerhin machen diese Ergänzungen 51 A4-Seiten aus …
Die Supplement-CD wendet sich nicht ausschließlich an ein akademisches Publikum – jeder, der ernsthaft an der Arbeit mit dem „Kapital“ interessiert ist, findet hier ein unentbehrliches Instrument vor, um sich in der Gedankenwelt Marx' besser orientieren zu können. Einziger Wermutstropfen: Wieder einmal orientieren sich die Entwickler am angeblichen Windows-Standard (was die Arbeit von Herausgeber Manfred Müller und Christian Spohn von metainfo-Systems jedoch nicht schmälern soll). Hier zumindest ein Tipp, wie man diese ausgezeichnete CD auch unter Linux zum Laufen bringt: Die gesamte CD in ein Verzeichnis der Festplatte kopieren, die Datei „start.exe“ als „ausführbar“ markieren und dann mit WINE öffnen. Und die DOCs lassen sich mit der OpenSource-Alternative zu M$ Word, Libre Office, problemlos öffnen.
Karl Marx, Das Kapital (Supplement-CD) Mit neuartiger Suchfunktion Dietz-Verlag Berlin, 2011, EUR 19,90
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